Der kaukasische Kreidekreis

 – und seine Anwendung in familiengerichtlichen Verfahren

Der kaukasische Kreidekreis wird von Mitarbeitern des Jugendamtes oder anderen Verfahrensbeteiligten immer wieder gern benutzt, um betroffene Mütter unter Druck zu setzen: “Sie dürfen die Paarebene nicht mit der Elternebene verwechseln und müssen ausschließlich an das Kind denken!”.

So heißt es zumindest.

Bei “gesunden” Trennungen ist das sicher ein guter Gedanke. Solche landen nur selten bei Jugendamt und Familiengericht.

Bei strittigen Trennungen dagegen, vor allem in Kindschaftssachen und in Vermögensauseinandersetzungen, kommt es meist zu Trennungskriminalität.

Es ist dabei kaum bis gar nicht möglich, die Paar- und Elternebene zu trennen.

  • Wie soll das funktionieren, wenn man sich in seiner psychischen, physischen und/oder finanziellen Unversehrtheit bedroht sieht?
  • Oder wenn man miterlebt, wie das Kind leidet?

 

Das Bild wird deshalb zum einen für meinen Geschmack nicht nur reichlich überstrapaziert sondern zum anderen, vermutlich aus Unkenntnis über die tatsächliche Story, im Zusammenhang mit familienrechtlichen Auseinandersetzungen falsch interpretiert.

Der Kaukasische Kreidekreis ist ein bekanntes Drama des deutschen Schriftstellers Bertolt Brecht. Brecht schrieb das Stück 1944/45 während seines Exils in den Vereinigten Staaten, nachdem er vor dem Nationalsozialismus aus Deutschland geflohen war.
Das Gleichnis aus dem kaukasischen Kreidekreis wird von Mitarbeitern des Jugendamtes oder anderen Verfahrensbeteiligten immer wieder gern aus der Schublade geholt, um den Müttern ein schlechtes Gewissen einzureden – denn zu nichts anderem ist es gut.

Mehr zum Thema erfahren Sie in unserem ausführlichen Webinar „Kinder schützen und stärken“.

1. Was ist der kaukasische Kreidekreis?

Der Kaukasische Kreidekreis ist ein bekanntes Drama des deutschen Schriftstellers Bertolt Brecht.

Brecht schrieb das Stück 1944/45 während seines Exils in den Vereinigten Staaten, nachdem er vor dem Nationalsozialismus aus Deutschland geflohen war.

Die Uraufführung fand 1948 in den USA statt, erst 1954 wurde das Stück auch in Deutschland aufgeführt. Heute gehört es zu seinen bekanntesten Werken und wird häufig im Theater aufgeführt sowie im Schulunterricht behandelt.

Die Handlung spielt im Kaukasus (heutiges Georgien) während einer Zeit politischer Unruhen. Im Mittelpunkt steht die einfache Magd Grusche Wachnadse, die das verlassene Kind namens Michael eines getöteten Gouverneurs rettet und großzieht.

Jahre später verlangt die leibliche Mutter Natella Abaschvili, die Frau des Gouverneurs, das Kind zurück, weil sie dessen Erbe sichern möchte.

Über den Streit entscheidet der ungewöhnliche Richter Azdak, eine der zentralen Figuren des Stücks. Weitere wichtige Personen sind der Soldat Simon Schaschawa (Shashava / Grusches Verlobter) sowie verschiedene Soldaten, Bauern und Beamte.

Das Drama ist als Parabel aufgebaut. Eine Parabel ist eine erzählende Darstellung, die eine konkrete Geschichte nutzt,um eine allgemeinere moralische oder gesellschaftliche Aussage zu vermitteln.

Die Handlung soll also nicht nur unterhalten, sondern auch eine übertragbare Lehre zeigen.

Im kaukasischen Kreidekreis geht es vor allem um die Frage, wem etwas wirklich „gehört“. Dem rechtlich Berechtigten oder demjenigen, der verantwortungsvoll damit umgeht (Gegensatz von leiblicher vs. sozialer Mutterschaft)?

2. Bedeutung: Was thematisiert der kaukasische Kreidekreis?

Der titelgebende Kreidekreis erscheint im berühmten Schlussurteil.

Richter Azdak lässt das Kind in einen Kreis aus Kreide stellen und fordert beide Frauen auf, es zu sich zu ziehen.

Während Natella stark zieht, lässt Grusche los, um Michael nicht zu verletzen.

Dadurch erkennt Azdak, dass Grusche wahre Fürsorge zeigt, und spricht ihr das Kind zu.

Die Parabel vermittelt damit Brechts zentrale Idee: Besitz oder Macht sollten denen gehören, die verantwortungsvoll und zum Wohl anderer damit umgehen.

Die Bedeutung des kaukasischen Kreidekreises liegt damit vor allem in der Frage nach Gerechtigkeit, Verantwortung und wahrer Fürsorge.

Das Drama zeigt, dass Besitz oder Macht nicht automatisch denen zustehen sollten, die formell Anspruch darauf haben, sondern denen, die verantwortungsvoll damit umgehen.

Das Drama basiert auf einem alten Gleichnis, das ursprünglich aus China stammt.

In dieser Geschichte streiten sich zwei Frauen um ein Kind. Ein Richter stellt das Kind in einen Kreis und befiehlt den Frauen, daran zu ziehen; die stärkere soll es bekommen.

Doch die „wahre Mutter“ lässt los, weil sie ihrem Kind keinen Schmerz zufügen will.

Gerade diese selbstlose Handlung zeigt dem Richter, wer das Kind wirklich liebt, und er spricht ihr das Kind zu.

Das Motiv erinnert zudem stark an das biblische „salomonische Urteil“ aus dem Alten Testament (1. Könige 3,16–28).

Auch dort streiten zwei Frauen um ein Kind, und König Salomo prüft ihre Liebe, indem er vorschlägt, das Kind zu teilen. Die wahre Mutter verzichtet darauf, um das Leben ihres Kindes zu retten.

Brecht greift dieses bekannte Motiv auf, verändert es jedoch: In seinem Stück gewinnt nicht die leibliche Mutter, sondern die Ziehmutter Grusche, die das Kind gerettet und großgezogen hat.

Brecht formuliert diese Idee im Stück sehr klar:  „Was da ist, soll denen gehören, die gut für es sind.“ Am Beispiel des Kindes wird gezeigt, dass echte Fürsorge wichtiger ist als Herkunft, Status oder Reichtum.

Gern wird dieses Gleichnis aus der Schublade geholt, um den Müttern ein schlechtes Gewissen einzureden – denn zu nichts anderem ist es gut.

Wären deutsche Familienrichter so weise, wie der kaukasische Kreidekreis Richter, dann würde die „wahre Mutter“ ihr Kind behalten können.

Lässt die ‚wahre Mutter’ ihr Kind aber in einem deutschen Familiengericht los, ist es praktisch unwiederbringlich weg.

Vater = die bessere Mutter?

Ganz abgesehen davon, taugt das Beispiel in familienrechtlichen Verfahren schon deshalb nicht, weil hier nicht zwei Frauen, sondern eine Frau und ein Mann an dem Kind zerren (allerdings nicht selten mit einer weiteren Frau im Hintergrund, nämlich entweder die Großmutter oder die neue Partnerin).

Und hier wird es spannend, denn Brecht erzählt das ursprüngliche Gleichnis auf andere Weise: Hier kämpfen eine leibliche Mutter gehobenen Standes (also jemand mit ausreichend finanziellen Mitteln) und eine einfache Magd (also jemand ohne Geld) um das Kind.

Die biologische Mutter hatte es zurückgelassen und die Magd nahm sich seiner an Kindes statt an. Jahre später kam die biologische Mutter zurück und wollte das Kind.

Auch hier war der Richter weise und überließ das Kind der „wahren Mutter“, also der Magd, die sich jahrelang liebevoll um das Kind kümmerte, auch wenn sie nicht die biologische Mutter war.

Gelebte Mutterschaft vor biologischer Vaterschaft

Damit gelingt es Brecht, die gelebte Mutterrolle vor die biologische zu stellen, und es wird klar: Nicht die biologischen Eltern – Vater wie Mutter – haben ein Recht auf das Kind, sondern das Kind hat das Recht auf liebevolle gelebte Mutter- und/oder Vaterschaft, unabhängig davon, wer das Geld hat, um sich zum Beispiel einen teuren Anwalt leisten zu können.

Die Betreuungs- und Fürsorgeleistung bleibt nach wie vor überwiegend uns Müttern überlassen: Während Väter überwiegend lediglich zwei Monate Elternzeit nehmen (also verlängertern Urlaub…), stellen Mütter häufig ihre Karriereabsichten zurück und nehmen umfassend Mutterzeit in Anspruch, gehen in Teilzeit oder hören ganz auf.

Nicht selten berichten Mütter, dass sich der Kindesvater während der Beziehung de facto kaum für die Kinder interessiert hat, geschweige denn, sich nennenswert an der Arbeit, die Kinder bekanntlich auch machen, beteiligte.

Die Mütter sind es in der Regel, die ihren Arbeitgeber verprellen, um das Kind mit Läusen aus der Kita zu holen. Sie helfen bei Schulaufgaben und gehen zu den Elternabenden. Sie gehen mit den Kindern Schuhe kaufen, in den Zoo, zum Kinderarzt. Sie organisieren die Geburtstage, sie kochen, waschen, chauffieren, trösten und singen die Gute-Nacht-Lieder.

Eine Bertelsmann Studie hat deutlich gemacht, dass die familiären Zusatzbelastungen, die durch COVID entstanden sind, im wesentlichen von den Müttern gestemmt wurden.

Nichts, was wir nicht vorher schon wussten…

Nicht selten gehen Kindesväter allenfalls mit den Söhnen samstags zum Fußballspiel oder begleiten lustlos am Sonntag einen Familienausflug – mehr abwesend als begeistert. Ok, wenn sie dann älter sind, dann kann man mit ihnen “gamen”…

Der „wahre Vater“?

Auch wenn es derzeit politisch unkorrekt ist und daher nicht gern gehört wird: Aus unserer Beratungspraxis können wir bestätigen, dass es interessanterweise oftmals genau dieser Typ Vater ist, der nach der Trennung seine Vaterschaft völlig neu entdeckt, das Wechselmodell begehrt oder sogar die Kinder ganz zu sich holen will.

Dabei ist jedes Mittel recht – lügen, verleumden, manipulieren –  mit aller Gewalt wird plötzlich um das Kind gekämpft.

Doch macht das aus ihm einen „wahren Vater“?

Die Zeit, die du für deine Rose gegeben hast, sie macht deine Rose so wichtig.

aus “Der kleine Prinz”, Antoine de Saint-Exupéry

Vater und Mutter wird man nicht durch biologische Vorgänge, sondern durch Zeit, Mühe und Liebe, die man für die Kinder gegeben hat, sowie durch die Bereitschaft, sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse zum Wohl der Kinder zurückzustellen.

Das hat der Richter im Gleichnis völlig richtig erkannt.

In deutschen Familiengerichten und den dort verhandelten Kindschaftssachen darf man auf soviel Weisheit leider nicht hoffen.

Seien Sie also auf der Hut, wenn der kaukasische Kreidekreis zitiert wird.

Derjenige hat höchstwahrscheinlich keine Ahnung, wovon er da überhaupt redet.

Passend zum Thema: Unser Webinar “Hilfreiche Strategien in familiengerichtlichen Verfahren”.

Häufige Fragen zum Inhalt des kaukasischen Kreidekreises

Der Kaukasische Kreidekreis ist als episches Theaterstück von Bertolt Brecht aufgebaut und besteht aus einem Prolog und zwei Hauptteilen. Im Prolog streiten zwei Kolchosen nach dem Krieg um Land. Danach folgt die eigentliche Handlung: zuerst die Geschichte der Magd Grusche, die ein Kind rettet und großzieht, und anschließend die Gerichtsverhandlung des Richters Azdak, der im berühmten Kreidekreis-Urteil über das Kind entscheidet.

Der Prolog des „Kaukasischen Kreidekreises“ spielt im Jahr 1944 im Kaukasus, wo zwei landwirtschaftliche Kollektive nach dem Zweiten Weltkrieg über die Nutzung eines Landstücks streiten. Die darin erzählte eigentliche Handlung ist in eine früher anmutende, feudal geprägte Zeit im Kaukasus verlegt und setzt mit einem politischen Umsturz ein, bei dem ein Gouverneur gestürzt und hingerichtet wird. 

Der Großherzog (eigentlich „Großfürst“) ist im Drama "Der kaukasische Kreidekreis" eine politische Figur, die zu Beginn der Handlung gestürzt wird. Während eines Aufstands flieht er aus der Stadt, wodurch seine Anhänger die Macht verlieren, unter anderem der Gouverneur Abaschwili. In dem entstehenden Chaos wird auch der Gouverneur getötet, und dessen Frau lässt ihr Kind zurück. Diese Ereignisse bilden den Ausgangspunkt der Geschichte um die Magd Grusche, die das Kind rettet und aufzieht.

Im Drama „Der kaukasische Kreidekreis“ von Bertolt Brecht spielen mehrere zentrale Metaphern eine wichtige Rolle. Der Kreidekreis selbst bildet dabei die wichtigste.

Er steht für eine Bewährungsprobe der Gerechtigkeit, in der sichtbar wird, dass echte Liebe und Verantwortung sich darin zeigen, dass man dem, was einem anvertraut ist, keinen Schaden zufügt.

Auch das Kind wirkt über seine wörtliche Bedeutung hinaus als Bild für Besitz, Verantwortung und gemeinschaftliche Güter wie Land oder politische Macht. Brecht macht deutlich, dass solche Güter denen zustehen sollten, die sorgsam und zum Wohl anderer mit ihnen umgehen.

Schließlich trägt die Figur des Richters Azdak eine starke symbolische Bedeutung. Er verkörpert eine unkonventionelle Form von Gerechtigkeit, die sich weniger an starren Gesetzen als an moralischer Verantwortung orientiert und damit starre Rechtssysteme hinterfragt und soziale Gerechtigkeit ins Zentrum rückt.

Am Ende von "Der kaukasische Kreidekreis" von Bertolt Brecht entscheidet Richter Azdak den Streit um das Kind mit der Kreidekreisprobe. Das Kind wird in einen Kreis gestellt, und beide Frauen sollen daran ziehen. Die leibliche Mutter zieht stark, doch Grusche, die das Kind aufgezogen hat, lässt los, um ihm keinen Schmerz zuzufügen. Deshalb spricht Azdak ihr das Kind zu. orientierte Perspektive zu entwickeln.

Die Kreidekreisprobe ist die entscheidende Gerichtsprobe im Drama Der kaukasische Kreidekreis von Bertolt Brecht. Richter Azdak stellt das Kind in einen Kreis aus Kreide und fordert zwei Frauen auf, es zu sich zu ziehen. Während die leibliche Mutter stark zieht, lässt die Magd Grusche, die das Kind aufgezogen hat, los, um ihm keinen Schmerz zuzufügen. Dadurch erkennt Azdak, wer wirklich für das Kind sorgt, und spricht es Grusche zu. stabilisieren und das familiäre Umfeld entlasten

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Eine Antwort

  1. Auch ich zähle mich dazu. Als die wahre Mutter. Ich habe mein Kind, damals 18 Jahre alt, in Kanada zurückgelassen. Ich war veranlasst, mich von ihrem Vater und meinem Ehemann zu trennen. Ich bin nach Deutschland zurück gekehrt nach 18 Jahre in Kanada. Mein Ehemann hatte nämlich schon Pläne, was mit meinem Erbgeld von meinen Eltern geschehen sollte, das ich noch gar nicht hatte. Das war zuviel des Guten. Er hätte das auch noch durchgebracht, wie viel Geld vorher schon. Ich war gezwungen, die Reißleine zu ziehen. Ich bin nach Deutschland zurück gekehrt und habe sofort Arbeit gefunden, die ich in Kanada nie wirklich hatte. Unsere Tochter habe ich ihm überlassen. Leider!
    Ich bin Opfer und so fühle ich mich auch noch heute.

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Anna Maron

Hallo!

Mein Name ist Anna Maron. Ich war einmal selbst in einer Situation wie Sie, bevor mein Kind und ich durch Coaching den erfolgreichen Weg heraus fanden. Heute begleite ich bei UMGANG UND SORGERECHT Mütter in familienrechtlichen Auseinandersetzungen, im Umgang mit den involvierten Fachkräften, dem Vater sowie bei Gutachten.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schnell man in eine Situation geraten kann, die man zuvor für unmöglich gehalten hätte – und wie wenig gute Absichten allein helfen, wenn ein Konflikt eine Dynamik entwickelt, die man noch nicht versteht.

Weil mein Kind noch minderjährig ist, gibt es von mir hier nur ein Stellvertreterinnen-Foto.

Zu schön, um wahr zu sein

Am Anfang wirkte meine Beziehung fast zu gut, um wahr zu sein. Der Vater meines Kindes war charmant, romantisch und sehr entschieden, was unsere gemeinsame Zukunft betraf. Als erste Situationen auftauchten, die mich irritierten, suchte ich die Ursache zunächst bei mir. Ich erklärte sein Verhalten mit Stress, nahm Rücksicht und fragte mich immer häufiger, ob ich vielleicht zu empfindlich reagierte.

Mit der Zeit wurde aus einzelnen Grenzüberschreitungen ein Wechselspiel aus Nähe, Abwertung sowie psychischer und körperlicher Gewalt. Gleichzeitig war ich durch die Mitarbeit in seiner Firma finanziell von ihm abhängig geworden. Erst nach einem gewalttätigen Vorfall im Urlaub war für mich endgültig klar: Ich wollte diese Beziehung verlassen. 

Kurz darauf erfuhr ich, dass ich schwanger war.

Von diesem Moment an stand für mich eine andere Frage im Mittelpunkt: Was ist das Beste für unser Kind? Ich wollte glauben, dass wir es mit Vernunft und Verantwortungsgefühl zumindest schaffen könnten, gute getrennte Eltern zu sein. Rückblickend war das eine meiner ersten falschen Erwartungen. 

Nach der Geburt

Nach der Geburt war der Vater über längere Strecken kaum verlässlich präsent. Finanzielle Unsicherheit, ausbleibende Unterlagen und immer neue Verzögerungen blieben dagegen eine ständige Belastung. Trotzdem bot ich ihm regelmäßig Kontakt zu unserem Kind an.

Dann hörte ich etwa ein halbes Jahr nichts von ihm. Schließlich kam Post vom Familiengericht: Er beantragte das gemeinsame Sorgerecht und eine gerichtliche Umgangsregelung – und behauptete gleichzeitig, ich würde den Kontakt zwischen ihm und unserem Kind verhindern.

Ich war fassungslos. Vor allem wusste ich nicht, wie ich beweisen sollte, was tatsächlich geschehen war. Mein Wort stand gegen seines. 

Damit begann eine familienrechtliche Auseinandersetzung, die sich über 13 Jahre erstreckte: annähernd 30 Verfahren, welche zu 90% vom Vater initiiert waren, und insgesamt drei familienpsychologische Begutachtungen. Unser Kind erlebte begleitete und unbegleitete Umgänge, längere Unterbrechungen, immer neue Anträge und wiederholt eine Flut an Gesprächen mit unterschiedlichen Fachkräften.  Obwohl der Vater den Umgang nie regelmäßig wahrnahm und in jeglicher Hinsicht immer unzuverlässig blieb, übte er massiven Druck aus und drängte auf immer mehr Rechte. Mein Kind erlebte neben dem Druck zunehmend Grenzüberschreitungen, psychische und schließlich auch körperliche Gewalt beim Vater. Mit zunehmendem Alter lehnte es den Umgang aus eigenen Gründen immer deutlicher ab und verweigerte dem Umgang. Schließlich stellten das Familiengericht in 1. und 2. Instanz fest, dass sein Wille eigenständig war; der Umgang wurde ausgeschlossen. Bis dahin war es ein langer Weg.

Was ich gelernt habe

Zu Beginn glaubte ich, ich müsse Jugendamt, Gericht und Anwalt nur ehrlich und vollständig erklären, was geschehen war. Wenn alle Fakten bekannt wären, so meine Vorstellung, würde man schon erkennen, was für das Kind richtig ist.

So einfach ist es nicht.

Ich musste lernen, dass Wahrheit allein keine Strategie ist. Es kommt auch darauf an, was belegbar ist, welche Informationen im jeweiligen Zusammenhang relevant sind und wie Aussagen und Verhalten von den Beteiligten eingeordnet werden – also auf die Wahr-Nehmung der Situation durch die Verfahrensbeteiligten.

Durch professionelles Coaching lernte ich, mich gezielt auf Schriftsätze, Begutachtungen und Gerichtstermine vorzubereiten, Zusammenhänge besser zu erkennen und mich von neuen Vorwürfen oder überraschenden Wendungen nicht jedes Mal aus der Bahn werfen zu lassen. 

Ebenso wichtig war eine andere Veränderung: Ich hörte auf, meine Kraft darauf zu verwenden, das Verhalten des Vaters verstehen oder auf jede neue Aktion unmittelbar reagieren zu wollen. Stattdessen stellte ich mir immer häufiger eine andere Frage: Was kann ich jetzt konkret tun, damit der Schaden für mein Kind möglichst gering bleibt?

Ich wünschte, ich hätte mir die Unterstützung über das Coaching sehr viel früher geholt. Sie hätte nicht jedes Problem verhindert. Aber sie hätte mir geholfen, früher noch deutlich klarer, ruhiger und zielgerichteter zu handeln. Und hätte meinem Kind und mir damit sicherlich auch einige Umwege erspart.

Was ich heute weitergebe

Heute begleite ich betroffene Mütter im individuellen Coaching – vor, während und zwischen familienrechtlichen Verfahren sowie im Zusammenhang mit familienpsychologischen Begutachtungen. Dabei verbinde ich meine eigenen Erfahrungen aus vielen Jahren familienrechtlicher Auseinandersetzungen mit  psychologischen Fachkenntnissen die ich mitbringe – und dem strategischen Wissen, das ich mir selbst durch Coaching und intensive Auseinandersetzung mit diesen vielen Verfahren erarbeitet habe. 

Jeder Fall ist anders. Bestimmte Dynamiken, Fehler und falsche Erwartungen begegnen einem jedoch immer wieder. Und die Entwicklungen, welche wir Mütter nach solchen Trennungen und innerhalb der familienrechtlichen Verfahren durchlaufen, weisen Gemeinsamkeiten auf. Ich unterstütze Mütter dabei, ihre Situation früher klarer zu erfassen, Verfahrensdynamiken besser zu verstehen, sich bewusst und strategisch zu positionieren und trotz aller Belastungen den Blick darauf zu richten, was für ihr Kind und sie selbst tatsächlich hilfreich ist. Wo es sinnvoll ist, kann diese Begleitung auch mit dem juristischen Beistand abgestimmt werden. 

Mein wichtigster Rat an Sie ist: Holen Sie sich frühzeitig Unterstützung. Warten Sie nicht darauf, dass sich alles von selbst richtig einordnet und sich Ihre Situation gerichtlich zuspitzt. Gute Vorbereitung garantiert zwar nicht umgehend das gewünschte Ergebnis – aber sie macht einen entscheidenden Unterschied in den meist langwierigen Verfahren, in denen Sie für Ihre Anliegen häufig einen langen Atem und ein entsprechend strategisches Vorgehen brauchen, um ans Ziel zu kommen. Ich freue mich darauf, Sie dabei zu unterstützen!