Das Umgangsrecht-Gesetz am Familiengericht

Aus Recht wird Pflicht wird Qual

Die familienrechtlichen Gesetze zum Umgang mit Kindern sind gar nicht so schlecht. Das Problem liegt in der Auslegung, also in der Rechtsprechung am Familiengericht.

Denn diese ist oft eine Katastrophe.  

Das deutsche Familienrecht ist primär im vierten Buch des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB §§ 1297–1921) geregelt, das Umgangsrechts-Gesetz insbesondere in §1684 (1) BGB.

Dort heißt es: 

„Das Kind hat das Recht auf Umgang mit jedem Elternteil; jeder Elternteil ist zum Umgang mit dem Kind verpflichtet und berechtigt.“  

Klingt gut, oder?

Das Kind hat das Recht, aber nicht die Pflicht. Doch die Realität sieht anders aus – wie viele Betroffene schmerzhaft erfahren müssen. 

Die Ausgangssituationen unserer betreuten Fälle sind vielfältig:  

  • Manche Eltern waren ein Paar, verheiratet oder nicht.
  • Andere haben nie zusammengelebt. 
  • Manche Kinder kennen ihren Vater überhaupt nicht, weil er sich nie gekümmert hat – bis zu dem Zeitpunkt, an dem er das ändern will.  
  • Es gibt Halbgeschwister, binational geprägte Familien oder Co-Elternschaften.
  • Die LGBTQ+-Community hat ihre eigenen Wege zur Elternschaft. 
  • In seltenen Fällen ist das Kind durch Vergewaltigung entstanden.

Genau wegen dieser Vielfalt der Rahmenbedingungen gilt Familienrecht die Einzelfallprüfung, d. h. jeder Fall muss individuell bewertet werden.

Doch immer öfter erleben wir leider das genaue Gegenteil: Starre Ideologien ersetzen die individuelle Würdigung. Alles wird der Ideologie unterworfen. Vor allem, der Wille des Kindes.

Das Familienrecht verlangt eine individuelle Kindeswohlprüfung – in der Praxis sehen viele Betroffene jedoch eine zunehmende Orientierung an starren Leitbildern statt am Einzelfall.
Das Familienrecht verlangt eine individuelle Kindeswohlprüfung – in der Praxis sehen viele Betroffene jedoch eine zunehmende Orientierung an starren Leitbildern statt am Einzelfall.

1. Familiengericht & Umgangsrecht: Einzelfallprüfung? Fehlanzeige!

Ein Richter beginnt die Verhandlung mit den Worten: „Ohne ein Wechselmodell gehen wir hier heute nicht raus.“

Ein Jugendamtsmitarbeiter verkündet im Gerichtssaal: „Jedes Kind muss von Geburt an im Wechselmodell leben.“

Klingt das nach Einzelfallprüfung?

Umgang mit dem Vater ist eine Heilige Kuh – Einzelfallprüfung erleben wir hier kaum:

Ein 5-jähriges Kind schreit sich beim begleiteten Umgang die Seele aus dem Leib. Der Vater ist schwierig, die Trennung war schwierig – und der Umgang ebenso.

Doch niemand ahnt: Der Junge wurde vom Vater geschlagen.

Erst als er es selbst erzählt, reagiert man – mit Ignoranz.

Ein Gutachter rät, den Widerstand des Kindes zu brechen. Er soll ruhig weiter 30 Minuten schreien – das sei in Ordnung. Man dürfe ihm nicht durchgehen lassen, dass er es zu entscheiden habe (Wir sprechen über 2023, nicht 1823).

Ein anderes Kind, 7 Jahre alt, verweigert den Umgang, weil sein Vater es schlägt und erniedrigt: „Du bist zu dumm, zu ungeschickt, zu nichts zu gebrauchen.“

Die Mutter kennt diese Gewalt; sie hat mit diesem Mann gelebt. Doch ihr und dem Kind glaubt man nicht – sondern dem Täter. Stattdessen muss sie proaktiv begleiteten Umgang anbieten, um nicht als bindungsintolerant dazustehen.

Ein 4-jähriges Kind berichtet mehrfach von sexuellem Missbrauch. Die Mutter nimmt die Aussagen auf – niemand will sie hören. Sie transkribiert sie – niemand will sie lesen. Bliebe sie bei ihrem Vorwurf, droht ihr der Kindesentzug. Also gibt sie ihr Kind zum Umgang.

Oder der Fall eines Kindes, das immer mehr Umgang mit dem Vater haben wollte, als der Vater bereit war, Zeit mit dem Kind zu verbringen. Beim letzten Umgang hat er das Kind wieder einmal geschlagen. Jetzt ist das Kind 12 Jahre alt, hat die Nase voll von diesem Menschen, Vater hin Vater her, und will nicht mehr hin.

Als Reaktion auf die Weigerung will das Jugendamt nun ein Glaubwürdigkeitsgutachten. Es soll also geprüft werden, ob das Kind lügt oder der Vater.

Ein 6-Jähriger kennt seinen leiblichen Vater nicht. Er wuchs mit dem neuen Partner der Mutter auf, das ist sein Papa. Plötzlich meldet sich der biologische Vater zurück – und das Kind wird gezwungen, eine Bindung zu ihm aufzubauen. Die Mutter muss sich rechtfertigen, weil der Junge zu ihrem neuen Partner Papa sagt.

Wir könnten unendlich so weiter berichten. Die Fälle unterscheiden sich im Detail, doch die Dynamik ist immer dieselbe.

Ja, es gibt wunderbare Väter. Aber es gibt eben auch die anderen: Narzisstische Väter, die sich nicht für ihr Kind interessieren, sondern sich nur selbst darstellen wollen. Die schlagen und beleidigen – die Mutter und/oder das Kind. Väter, die das Kind als Waffe gegen die Ex-Partnerin benutzen, das Kind manipulieren, Druck ausüben oder schlimmer noch – pädophil sind.

Doch im Familiengericht existiert das alles nicht.

Hier gibt es nur eines: das Recht des Vaters auf sein Kind.

Die Mutter ist immer schuld

Die Argumentation der Fachkräfte ist stets dieselbe:  

  • Will das Kind den Vater nicht sehen? Dann liegt es an der Mutter – sie verbringt ja mehr Zeit mit ihm und manipuliert es.  
  • Erzählt das Kind, es wird geschlagen? Dann lügt es – Kinder „fantasieren“ ja gern mal.  
  • Besteht keine Bindung zum Vater? Dann hat die Mutter sie verhindert oder nicht ausreichend eingefordert.
  • Weint das Kind? Dann ist es unreif und hat keinen eigenen Willen.  
  • Drückt es seinen Willen klar aus? Dann hat ihm jemand (aka die Mutter) die Worte in den Mund gelegt.  

Man gewinnt den Eindruck, egal wie, die Schuld liegt immer bei der Mutter.

Noch einmal: Wir reden hier nicht von liebevollen Vätern, sondern von Männern, die lügen, manipulieren, kontrollieren, schlagen. Diese sind vielleicht der biologische Vater – aber werden niemals ein Papa sein.

Und Kinder spüren das.

Man müsste ihnen nur zuhören.

2. Umgangsrecht: Das System schützt Täter – nicht Kinder

Das Familiengerichtssystem handelt nach dem Motto: „Es kann nicht sein, was nicht sein darf.“ Denn der Vater gehört zum Leben des Kindes, so die Fachmeinung. Er ist gut für das Kind.

Immer. Unter allen Umständen.

Doch nein, das ist er eben manchmal leider nicht. 

Statt sich mit den realen Problemen auseinanderzusetzen, gibt es nur ein Wort für Kinder, die nicht so funktionieren, wie das Familienrechtssystem es von ihnen erwartet: Loyalitätskonflikt.  

Diese Begriffe kennt das Jugendamt & Co. nicht.

Kinder, die nicht funktionieren, werden vom System zermahlen: Maßnahmen über Maßnahmen werden über die armen Kreaturen ausgekübelt, um passend zu machen, was eben einfach manchmal nicht passt.

Bis die Kinder gebrochen einknicken oder in Therapie müssen. Oftmals beides. Wir wissen von sechsjährigen Kindern, die Suizidgedanken äußern.

Tatsächlich geht die Kindeswohlgefährdung in diesen Fällen nicht (nur) vom Vater aus – sondern vom System selbst.

Das Familienrecht schützt Täter und bestraft jene, die Kinder schützen wollen – und damit ebenfalls die Kinder.

Kürzlich hat es eine Klientin mit der folgenden Aussage exakt auf den Punkt gebracht:

„Je mehr ich die Kinder schützen wollte, umso schlimmer wurde es.“ 

Dabei wäre es so einfach: 

  • Die Fachkräfte müssten den Kindern lediglich zuhören, sie nicht nur anhören.
  • Sie dürften nie vergessen, dass wir es mit empfindsamen, kleinen Wesen zu tun haben, für die die Welt noch voller Unbekanntem und Angst ist.
  • Das Familienrechtssystem müsste die Vergangenheit betrachten, um die Gegenwart zu verstehen – etwas, was dort konsequent verweigert wird
  • Bei Entscheidungen müsste der Kontinuitätsgrundsatz ernst genommen werden hinsichtlich der tatsächlichen Betreuung, zum Beispiel über das Residenzmodell.
  • Man müsste Väterlobbyisten aus den politischen Gremien und Fakultäten entfernen, damit sie nicht länger Forschung und Bildung beeinflussen.

Das wäre ein Anfang. 

Hilfe, die wirklich hilft:

Coaching

Individuelles Strategiecoaching – weitere Infos und Terminreservierung finden Sie unter dem Menüpunkt „Neue Coaching-Anfrage“.

Wir arbeiten gern mit Ihrem Anwalt für Familienrecht zusammen!

Häufige Fragen: Das Familiengericht & das Umgangsrecht-Gesetz

Das Familiengericht sollte stets nach dem Kindeswohl (§ 1697a BGB) entscheiden und dabei unter anderem den Kindeswillen – soweit Alter und Reife dies zulassen – die Bindungen des Kindes zu beiden Elternteilen, deren Erziehungs- und Kooperationsfähigkeit sowie die Umstände des Einzelfalls, berücksichtigen. In strittigen Verfahren sollte das Gericht zusätzlich Stellungnahmen des Jugendamts, des Verfahrensbeistands und eines familienpsychologischen Sachverständigen einholen, bevor es den Umgang durch seinen Beschluss regelt.

Die Kostenverteilung liegt im Ermessen des Gerichts (§ 81 FamFG). In Kindschaftssachen wird häufig angeordnet, dass jeder Elternteil seine eigenen außergerichtlichen Kosten (z. B. für den Anwalt für Familienrecht) selbst trägt, während die Gerichtskosten hälftig geteilt werden – unabhängig vom Verfahrensausgang, da es nicht um „Gewinnen“ oder „Verlieren“ geht. Bei geringem Einkommen kann Verfahrenskostenhilfe beantragt werden, die Kosten ganz oder teilweise übernimmt. Diese muss jedoch anschließend in Raten zurückgezahlt werden. Oder es kann von Seiten des Gerichts sogar ganz von der Einhebung der Kosten abgesehen werden.

Ja, nach § 1684 BGB sind Eltern in Deutschland gesetzlich zum Umgang mit ihrem Kind berechtigt und verpflichtet. Außerdem steht auch dem Kind ein Recht auf Umgang mit beiden Elternteilen zu. Dieser Umgang kann sogar gerichtlich erzwungen werden. Jedoch ist dies nicht nur praktisch schwer durchsetzbar, wenn ein Elternteil sich beharrlich weigert. Sondern es stellt sich zudem auch die Frage, ob ein erzwungener Umgang wirklich das Beste für Kinder und Eltern gleichermaßen ist.

Das Umgangsrecht ist in § 1684 BGB geregelt: Jedes Kind hat das Recht auf Umgang mit beiden Elternteilen, und jeder Elternteil ist zum Umgang mit dem Kind berechtigt und verpflichtet. Auch nahestehende Bezugspersonen wie Großeltern oder Geschwister können unter bestimmten Voraussetzungen umgangsberechtigt sein (§ 1685 BGB). Kommt keine einvernehmliche Regelung zustande, entscheidet das Familiengericht über Häufigkeit, Dauer und Ausgestaltung – von Wochenendumgängen bis zum paritätischen Wechselmodell.

Das Umgangsrecht des Vaters ist gesetzlich nicht strikt festgelegt. Grundsätzlich besteht ein Recht und eine Pflicht zum Umgang, oft orientiert an der Leitlinie: jedes zweite Wochenende, die Hälfte der Ferien und Feiertage im Wechsel. Das Umgangsrecht ist dabei unabhängig vom Sorgerecht.

Ein vollständiger Umgangsausschluss ist nur in Ausnahmefällen zulässig, wenn er zum Schutz des Kindeswohls erforderlich ist (§ 1684 Abs. 4 BGB). Das kann etwa bei Gewalt, sexuellem Missbrauch oder anderen schwerwiegenden Kindeswohlgefährdungen der Fall sein. Reichen mildere Maßnahmen aus, ordnet das Gericht stattdessen beispielsweise begleiteten oder eingeschränkten Umgang an. Über einen Umgangsausschluss entscheidet ausschließlich das Familiengericht.

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Eine Antwort

  1. Hallo,
    ich habe 3 Versuche gebraucht, um mich von meinem inzwischen narzisstische Exmann zu trennen. Zur Strafe hat er das Aufenthaltsbestimmungsrecht für unsere damals 2,5 Jahre alte Tochter beantragt und auch übertragen bekommen. Seit 9 Jahren nutzt er dies als Machtinstrument gegen mich. Mal hab ich Umgang, mal eben nicht. Ohne Begründung. Er hält sich nicht an Absprachen, will immer das letzte Wort zu Zeit und Ort haben. Das Amtsgericht hat für 2024 den Umgang geregelt. Ab 2025 sollten wir alleine zurecht kommen. Für mich kein Problem, aber er ignoriert mich und Absprachen zum Umgang mit unserer Tochter, inzwischen 11 Jahre alt, werden vergessen. Seit kurzem kenne ich die Mißstände in seinem Haushalt Er ist übrigens auch Alkoholiker.
    Er kontrolliert das Handy meiner Tochter und verlangt von Ihr, dass sie mich blockiert. Er kocht zu Hause so gut wie gar nicht mehr. Laut meiner Tochter, gibt es nur Brot. Kürzlich ist die Katze meiner Tochter verschwunden. Mitten in der Nacht hat er sie geweckt, damit sie bei der Suche hilft. In den letzten beiden Wochen war meine Tochter chronisch müde .

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Anna Maron

Hallo!

Mein Name ist Anna Maron. Ich war einmal selbst in einer Situation wie Sie, bevor mein Kind und ich durch Coaching den erfolgreichen Weg heraus fanden. Heute begleite ich bei UMGANG UND SORGERECHT Mütter in familienrechtlichen Auseinandersetzungen, im Umgang mit den involvierten Fachkräften, dem Vater sowie bei Gutachten.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schnell man in eine Situation geraten kann, die man zuvor für unmöglich gehalten hätte – und wie wenig gute Absichten allein helfen, wenn ein Konflikt eine Dynamik entwickelt, die man noch nicht versteht.

Weil mein Kind noch minderjährig ist, gibt es von mir hier nur ein Stellvertreterinnen-Foto.

Zu schön, um wahr zu sein

Am Anfang wirkte meine Beziehung fast zu gut, um wahr zu sein. Der Vater meines Kindes war charmant, romantisch und sehr entschieden, was unsere gemeinsame Zukunft betraf. Als erste Situationen auftauchten, die mich irritierten, suchte ich die Ursache zunächst bei mir. Ich erklärte sein Verhalten mit Stress, nahm Rücksicht und fragte mich immer häufiger, ob ich vielleicht zu empfindlich reagierte.

Mit der Zeit wurde aus einzelnen Grenzüberschreitungen ein Wechselspiel aus Nähe, Abwertung sowie psychischer und körperlicher Gewalt. Gleichzeitig war ich durch die Mitarbeit in seiner Firma finanziell von ihm abhängig geworden. Erst nach einem gewalttätigen Vorfall im Urlaub war für mich endgültig klar: Ich wollte diese Beziehung verlassen. 

Kurz darauf erfuhr ich, dass ich schwanger war.

Von diesem Moment an stand für mich eine andere Frage im Mittelpunkt: Was ist das Beste für unser Kind? Ich wollte glauben, dass wir es mit Vernunft und Verantwortungsgefühl zumindest schaffen könnten, gute getrennte Eltern zu sein. Rückblickend war das eine meiner ersten falschen Erwartungen. 

Nach der Geburt

Nach der Geburt war der Vater über längere Strecken kaum verlässlich präsent. Finanzielle Unsicherheit, ausbleibende Unterlagen und immer neue Verzögerungen blieben dagegen eine ständige Belastung. Trotzdem bot ich ihm regelmäßig Kontakt zu unserem Kind an.

Dann hörte ich etwa ein halbes Jahr nichts von ihm. Schließlich kam Post vom Familiengericht: Er beantragte das gemeinsame Sorgerecht und eine gerichtliche Umgangsregelung – und behauptete gleichzeitig, ich würde den Kontakt zwischen ihm und unserem Kind verhindern.

Ich war fassungslos. Vor allem wusste ich nicht, wie ich beweisen sollte, was tatsächlich geschehen war. Mein Wort stand gegen seines. 

Damit begann eine familienrechtliche Auseinandersetzung, die sich über 13 Jahre erstreckte: annähernd 30 Verfahren, welche zu 90% vom Vater initiiert waren, und insgesamt drei familienpsychologische Begutachtungen. Unser Kind erlebte begleitete und unbegleitete Umgänge, längere Unterbrechungen, immer neue Anträge und wiederholt eine Flut an Gesprächen mit unterschiedlichen Fachkräften.  Obwohl der Vater den Umgang nie regelmäßig wahrnahm und in jeglicher Hinsicht immer unzuverlässig blieb, übte er massiven Druck aus und drängte auf immer mehr Rechte. Mein Kind erlebte neben dem Druck zunehmend Grenzüberschreitungen, psychische und schließlich auch körperliche Gewalt beim Vater. Mit zunehmendem Alter lehnte es den Umgang aus eigenen Gründen immer deutlicher ab und verweigerte dem Umgang. Schließlich stellten das Familiengericht in 1. und 2. Instanz fest, dass sein Wille eigenständig war; der Umgang wurde ausgeschlossen. Bis dahin war es ein langer Weg.

Was ich gelernt habe

Zu Beginn glaubte ich, ich müsse Jugendamt, Gericht und Anwalt nur ehrlich und vollständig erklären, was geschehen war. Wenn alle Fakten bekannt wären, so meine Vorstellung, würde man schon erkennen, was für das Kind richtig ist.

So einfach ist es nicht.

Ich musste lernen, dass Wahrheit allein keine Strategie ist. Es kommt auch darauf an, was belegbar ist, welche Informationen im jeweiligen Zusammenhang relevant sind und wie Aussagen und Verhalten von den Beteiligten eingeordnet werden – also auf die Wahr-Nehmung der Situation durch die Verfahrensbeteiligten.

Durch professionelles Coaching lernte ich, mich gezielt auf Schriftsätze, Begutachtungen und Gerichtstermine vorzubereiten, Zusammenhänge besser zu erkennen und mich von neuen Vorwürfen oder überraschenden Wendungen nicht jedes Mal aus der Bahn werfen zu lassen. 

Ebenso wichtig war eine andere Veränderung: Ich hörte auf, meine Kraft darauf zu verwenden, das Verhalten des Vaters verstehen oder auf jede neue Aktion unmittelbar reagieren zu wollen. Stattdessen stellte ich mir immer häufiger eine andere Frage: Was kann ich jetzt konkret tun, damit der Schaden für mein Kind möglichst gering bleibt?

Ich wünschte, ich hätte mir die Unterstützung über das Coaching sehr viel früher geholt. Sie hätte nicht jedes Problem verhindert. Aber sie hätte mir geholfen, früher noch deutlich klarer, ruhiger und zielgerichteter zu handeln. Und hätte meinem Kind und mir damit sicherlich auch einige Umwege erspart.

Was ich heute weitergebe

Heute begleite ich betroffene Mütter im individuellen Coaching – vor, während und zwischen familienrechtlichen Verfahren sowie im Zusammenhang mit familienpsychologischen Begutachtungen. Dabei verbinde ich meine eigenen Erfahrungen aus vielen Jahren familienrechtlicher Auseinandersetzungen mit  psychologischen Fachkenntnissen die ich mitbringe – und dem strategischen Wissen, das ich mir selbst durch Coaching und intensive Auseinandersetzung mit diesen vielen Verfahren erarbeitet habe. 

Jeder Fall ist anders. Bestimmte Dynamiken, Fehler und falsche Erwartungen begegnen einem jedoch immer wieder. Und die Entwicklungen, welche wir Mütter nach solchen Trennungen und innerhalb der familienrechtlichen Verfahren durchlaufen, weisen Gemeinsamkeiten auf. Ich unterstütze Mütter dabei, ihre Situation früher klarer zu erfassen, Verfahrensdynamiken besser zu verstehen, sich bewusst und strategisch zu positionieren und trotz aller Belastungen den Blick darauf zu richten, was für ihr Kind und sie selbst tatsächlich hilfreich ist. Wo es sinnvoll ist, kann diese Begleitung auch mit dem juristischen Beistand abgestimmt werden. 

Mein wichtigster Rat an Sie ist: Holen Sie sich frühzeitig Unterstützung. Warten Sie nicht darauf, dass sich alles von selbst richtig einordnet und sich Ihre Situation gerichtlich zuspitzt. Gute Vorbereitung garantiert zwar nicht umgehend das gewünschte Ergebnis – aber sie macht einen entscheidenden Unterschied in den meist langwierigen Verfahren, in denen Sie für Ihre Anliegen häufig einen langen Atem und ein entsprechend strategisches Vorgehen brauchen, um ans Ziel zu kommen. Ich freue mich darauf, Sie dabei zu unterstützen!