Clearing durch das Jugendamt

 – Ziele, Ablauf und Dauer einfach erklärt

Wenn Familien in Krisen geraten und das Jugendamt eingeschaltet wird, begegnet vielen Müttern der Begriff Clearing (übersetzt Aufklärung/Klärung). Dieses Verfahren wird eingesetzt, um Konflikte zu klären, z. B. bei Verdacht auf körperliche Gewalt oder erheblichen Verhaltensauffälligkeiten des Kindes, aber auch aus anderen Gründen. Es soll “geklärt”, Ressourcen aufgezeigt und Empfehlungen für das weitere Vorgehen gegeben werden. 

Wir raten in der Regel von der Teilnahme an einem Clearingverfahren ab und empfehlen stattdessen, eher auf die Erstellung eines familienpsychologischen Gutachtens hinzuwirken. Das hängt aber individuell vom Fall ab. 

Das Clearingverfahren scheint derzeit die neueste “Mode” des Jugendamts zu sein. Uns liegt allerdings kein einziges Clearingverfahren vor, das auch nur ansatzweise fachlich oder methodisch akzeptabel gewesen wäre.

Im Gegenteil: In mehreren Fällen führten Clearingverfahren zu erheblichen Nachteilen für die Kindesmutter, teilweise sogar zu katastrophalen Ergebnissen.

Ein familiengerichtliches Gutachten liefert fachliche Einschätzung und Empfehlungen für das Familiengericht, das zwar selbst entscheidet, sich dabei jedoch häufig maßgeblich an den Erkenntnissen des Gutachters orientiert
Ein familiengerichtliches Gutachten liefert fachliche Einschätzung und Empfehlungen für das Familiengericht, das zwar selbst entscheidet, sich dabei jedoch häufig maßgeblich an den Erkenntnissen des Gutachters orientiert

1. Was ist ein Clearing vom Jugendamt - und wann kommt es zum Einsatz?

Unter Clearing versteht man ein zeitlich begrenztes Verfahren, das in der Regel sechs bis zwölf Wochen dauert. Die Fachkräfte versuchen dabei, die Familiensituation zu analysieren. Ziel soll sein, schnell Klarheit zu schaffen, welche Hilfen notwendig sind. Besonders häufig wird Clearing im Trennungskontext eingesetzt, wenn schwerwiegende Vorwürfe im Raum stehen: Gewaltvorwürfe – sprich Kindesmisshandlung und seine Folgen – sexueller Missbrauch oder auch wenn das Kind den Umgang mit einem Elternteil ablehnt.

Die Clearingstelle des Jugendamts

Eine Clearingstelle ist eine fachlich unabhängige Einrichtung, die in komplexen familiären oder rechtlichen Situationen eingeschaltet wird, um Klärung, Struktur und Orientierung zu schaffen. Sie kommt häufig dann zum Einsatz, wenn Hilfen festgefahren sind, unterschiedliche Einschätzungen bestehen oder unklar ist, welche Maßnahmen dem Kindeswohl am besten entsprechen.

Ziel der Clearingstelle ist eine zeitlich begrenzte, strukturierte Einschätzung der Situation. Auf dieser Grundlage werden fachliche Empfehlungen entwickelt, etwa zu weiteren Hilfen, Umgangsregelungen oder Schutzmaßnahmen. Die Arbeit kann begleitend im Alltag oder im Rahmen einer vorübergehenden Unterbringung erfolgen. Rechtsgrundlage ist insbesondere das SGB VIII, ergänzt durch familiengerichtliche Aufträge nach dem FamFG.

Wer führt sonst noch ein Clearing durch?

Clearing wird entweder von Mitarbeitenden des Jugendamts oder von beauftragten Vereinen – sogenannten Trägern der Freien Familienfürsorge – durchgeführt, meist Sozialarbeiter, Sozialpädagogen oder Pychologen. Gerade hier liegt ein großes Problem: Die Fachkräfte haben in der Regel keine umfassende Ausbildung für diese Arbeit. Ihre Qualifikationen sind uneinheitlich, teilweise fragwürdig, und ihre Einschätzungen beruhen häufig auf subjektiven Eindrücken. Trotzdem fließen die Ergebnisse in Akten ein und beeinflussen Entscheidungen von Gerichten – mit enormen Auswirkungen für Kinder und Eltern.

Passend zum Thema: Unser Webinar “Hilfreiche Strategien in familiengerichtlichen Verfahren”.

2. Clearing vom Jugendamt: Der Ablauf

Der Ablauf eines Clearings ist zeitlich begrenzt und folgt einer klaren Struktur, die sich in 3 Phasen unterteilen lässt.

In der ersten Phase Anfrage und Erstkontakt wird geklärt, wer den Auftrag erteilt, welche Fragestellung im Raum steht und welche Ziele mit dem Clearing verfolgt werden. Gleichzeitig werden der zeitliche Rahmen, die Beteiligten und das Vorgehen transparent gemacht. Diese Phase dient der Orientierung und schafft eine verlässliche Arbeitsgrundlage.

Es folgt die Informationssammlung und Analyse, die eigentliche Clearing-Phase. In diesem Zeitraum werden Gespräche mit Eltern, Kindern und beteiligten Fachstellen geführt, Unterlagen gesichtet und Beobachtungen ausgewertet. Ziel ist es, die Situation differenziert zu erfassen, Risiken und Ressourcen zu benennen sowie Muster sichtbar zu machen. Diese Phase nimmt den größten Teil der Zeit in Anspruch.

Zuletzt folgt die Phase Abschluss und Empfehlung. Die Ergebnisse werden zusammengefasst und in konkrete, nachvollziehbare Empfehlungen überführt, etwa zu weiteren Hilfen, Umgangsregelungen oder Schutzmaßnahmen. Das Clearing endet mit einer Rückmeldung an die auftraggebende Stelle und einer klaren Empfehlung für das weitere Vorgehen.

Die Methoden im Clearing in der Übersicht (mit Beispielen)

Zur Erfassung familiärer Dynamiken kommen unterschiedliche Methoden zum Einsatz, die jeweils einen eigenen Schwerpunkt haben.

  • Ein Soziogramm dient dazu, familiäre Beziehungen sichtbar zu machen, indem Nähe, Distanz und Konflikte grafisch dargestellt werden. So kann ein Kind beispielsweise die Mutter sehr nah und den Vater weiter entfernt platzieren. Des Weiteren steht eine dicke Linie für eine starke Bindung, während eine Zickzacklinie auf einen Konflikt hinweist.
  • Mit Hilfe einer Lebenslinie werden biografische Ereignisse reflektiert und wichtige Wendepunkte markiert. Dabei reicht eine Linie symbolisch von der Geburt bis zur Gegenwart und wird mit Zeichen ergänzt, wie etwa einem Herz für einen schönen Urlaub, einem Kreuz für eine Trennung oder einem Stern für den ersten Schultag.
  • Ein Ressourcencheck zielt darauf ab, die Stärken, Fähigkeiten und Unterstützungsquellen innerhalb der Familie zu erfassen. Dies kann in Form einer einfachen Liste geschehen, wie zum Beispiel: Die Oma holt das Kind regelmäßig ab, eine Nachbarin hilft spontan aus, oder es wird viel gemeinsam gelacht.
  • Die Beobachtung im häuslichen Umfeld ermöglicht es, Alltagsinteraktionen und Kommunikationsmuster wahrzunehmen. Beim gemeinsamen Abendessen lässt sich etwa beobachten, ob der Umgang wertschätzend oder abwertend ist und wer in angespannten Situationen eher beruhigend wirkt. Und wer Konflikte eher noch verstärkt.
  • Ergänzend dazu werden Gespräche mit den Eltern und dem Kind geführt, um unterschiedliche Sichtweisen, Sorgen und Wünsche zu erfassen. Mit dem Kind erfolgen diese altersgerecht, etwa über Spiel oder Malen, anschließend folgen Gespräche mit den Eltern und eine Einordnung des familiären Kontexts.
  • Zentral ist zudem aktives Zuhören in Kombination mit systemischen Fragen. Durch empathisches Zuhören, etwa mit Rückmeldungen wie „Du wirkst angespannt“, oder durch Perspektivwechsel anregende Fragen wie „Was würde deine Lehrerin dazu sagen?“ werden Verständnis vertieft und neue Sichtweisen eröffnet.

Wie lange dauert ein Clearing - und was kostet es?

Ein Clearing dauert in der Regel mehrere Wochen bis hin zu Monaten. Für Eltern entstehen dabei zwar keine direkten Kosten (wie beispielsweise beim Sorgerechtsverfahren), da es über die Jugendhilfe finanziert wird. Doch die eigentlichen „Kosten“ zeigen sich an einer ganz anderen Stelle: in den möglichen Folgen für Sie und Ihr Kind.

Kostenlos – aber nicht folgenlos: Die wahren Kosten eines Clearingverfahrens sind nicht finanziell.
Kostenlos – aber nicht folgenlos: Die wahren Kosten eines Clearingverfahrens sind nicht finanziell.

Clearing-Verfahren liefern häufig nur grobe oder oberflächliche Einschätzungen. Diese Einschätzungen wirken oft wie scheinbar neutrale „Expertise“, können jedoch das weitere Vorgehen von Jugendamt und Gericht beeinflussen. Fehlerhafte oder ungenaue Darstellungen führen dann nicht selten dazu, dass Mütter in eine problematische Ecke gedrängt werden – mit weitreichenden Konsequenzen für das gesamte familiengerichtliche Verfahren.

Ein ungünstiger Clearingbericht kann dann dazu führen, dass Sie sich in einem ohnehin belastenden Verfahren plötzlich auch noch gegen subjektive Einschätzungen wehren müssen – und das von Personen, die im Zweifel nicht einmal über eine fundierte psychologische Ausbildung verfügen.

Kurz gesagt: Das Clearing kostet Sie nicht in Euro, sondern in Einfluss, Handlungsspielraum und manchmal sogar in Glaubwürdigkeit vor Gericht.

Clearingverfahren vom Jugendamt: Vorteile und Nachteile

Befürworter sehen Clearing als schnelle und kostengünstige Möglichkeit, um schwierige Familiensituationen zu strukturieren. In der Theorie sollen Ressourcen sichtbar werden und Kinder die Möglichkeit erhalten, ihre Perspektive einzubringen.

Unsere Erfahrung zeigt jedoch ein anderes Bild. Wir erleben in der Regel nicht, dass ein Clearing für Mütter oder Kinder zu einer positiven Wendung führt. Im Gegenteil – Häufig entsteht zusätzlicher Druck, Mütter fühlen sich nicht ernst genommen und die Bedürfnisse der Kinder werden unzureichend berücksichtigt. 

Zudem hängen die Ergebnisse stark von den persönlichen Einschätzungen der Clearing-Fachkraft ab – Neutralität ist selten gegeben und auch hier kann schnell die Ideologie der Verfahrensbeteiligten einfließen, die den Blick auf die Kinder verschleiert.

Clearing oder Gutachten?

Besonders kritisch wird es, wenn das Clearing zur Klärung schwerer Vorwürfe herangezogen wird, etwa bei häuslicher Gewalt oder Missbrauch. Zwar sehen wir Gutachten auch sehr kritisch! – denn auch diese sind fachlich oft sehr fragwürdig und können erhebliche Konsequenzen haben. 

Doch in bestimmten Situationen sehen wir ein familiengerichtliches Gutachten als die deutlich bessere Alternative: Gutachter verfügen zumindest über eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung, müssen ihre Arbeit nach gewissen Standards bewerten lassen und sind in ihrer Qualifikation weit über den Clearing-Mitarbeitern angesiedelt.

Trotz aller fundamentalen Schwächen psychologischer Gutachten sind sie in hochstrittigen Verfahren deshalb das eindeutig bessere Instrument. Wenn Sie also keine andere Wahl haben: Ein Gutachten ist in der Regel die bessere Lösung als ein Clearing-Verfahren – allerdings niemals ohne eine klare, gut vorbereitete Strategie.

3. Fazit zu unseren Erfahrungen mit dem Clearing vom Jugendamt

Clearing beim Jugendamt wird als Hilfsangebot präsentiert, zeigt sich in der Praxis aber oft als unzureichend, belastend und manchmal gefährlich. 

Methoden wie Soziogramm, kaukasischer Kreidekreis oder Lebenslinie mögen interessant wirken, ersetzen jedoch keine fundierte Analyse. Gerade wenn es um gravierende Vorwürfe geht – wie diese in einem Sorgerechtsstreit mit einem Narzissten leider üblich sind –  braucht es die Expertise von (guten) Gutachtern. 

Unsere klare Position lautet daher: Ein Clearing-Verfahren sollte vermieden werden – und falls nicht anders möglich, durch ein Gutachten ersetzt. Allerdings sollten Sie nie unvorbereitet an einem Gutachten teilnehmen. Es gilt: Teilnahme am Gutachten nur mit einer klaren Strategie und sehr gut vorbereitet! Das richtige Verhalten vor dem Familiengericht will gelernt sein.

Passend zum Thema: Unser Webinar “Hilfreiche Strategien in familiengerichtlichen Verfahren”.

Häufige Fragen: Was ist ein Clearing vom Jugendamt?

Das Familiengericht sollte bei familienrechtlichen Streitigkeiten insbesondere prüfen, was dem Wohl des Kindes am besten dient. Im Mittelpunkt sollten dabei das Kindeswohl, die Erziehungsfähigkeit der Eltern, die bestehenden Bindungen des Kindes sowie die Stabilität und Kontinuität seiner Lebensverhältnisse stehen. Je nach Alter und Reife wird auch der Wille des Kindes berücksichtigt. Ziel ist es, Lösungen zu finden, die dem Kind Sicherheit, Entwicklungsmöglichkeiten und verlässliche Beziehungen ermöglichen.

Darüber hinaus prüft das Familiengericht Fragen zu Umgang und Sorgerecht, mögliche Gefährdungen des Kindes sowie die Kooperationsfähigkeit der Eltern. Bestehen Hinweise auf Vernachlässigung, Gewalt oder andere Risiken, arbeitet das Gericht eng mit dem Jugendamt und gegebenenfalls Sachverständigen zusammen. Maßgeblich sollte dabei nicht sein, welcher Elternteil „Recht hat“, sondern welche Regelung langfristig dem Schutz und der gesunden Entwicklung des Kindes entspricht.

Beim Hausbesuch – etwa im Rahmen einer Hilfe zur Erziehung oder einer Gefährdungseinschätzung –soll das Jugendamt die Lebenssituation des Kindes prüfen und sich einen Eindruck vom familiären Alltag verschaffen. Im Fokus sollte dabei das Wohl und die Sicherheit des Kindes im Rahmen des staatlichen Schutzauftrags stehen, also ob grundlegende Bedürfnisse wie Versorgung, Hygiene, Schlafmöglichkeiten und altersgerechte Betreuung gewährleistet sind. Ebenso sollte geschaut werden, wie das Kind in der Wohnung lebt, ob es einen festen Platz hat und wie die allgemeine Atmosphäre im Haushalt wirkt.

Darüber sollte das Jugendamt auf die Interaktion zwischen Eltern und Kind sowie auf mögliche Belastungen oder Risiken im familiären Umfeld achten. Gespräche dienen dazu, Ressourcen, Unterstützungsbedarf und eventuelle Sorgen offen zu klären. Ziel des Hausbesuchs ist nicht eine Kontrolle im strafenden Sinn, sondern eine fachliche Einschätzung der familiären Situation, um das Kindeswohl zu schützen und bei Bedarf passende Hilfen anbieten zu können.

Nein, eine Familienhilfe hat keine rechtliche Befugnis, ein Kind wegzunehmen. Familienhelfer sind pädagogische Fachkräfte, die Familien im Alltag unterstützen, beraten und entlasten. Ihre Aufgabe ist es, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, Ressourcen zu stärken und gemeinsam mit den Eltern Lösungen zu entwickeln. Sie treffen keine hoheitlichen Entscheidungen und können weder über einen Entzug des Sorgerechts noch über eine Inobhutnahme entscheiden.

Stellt eine Familienhilfe jedoch eine ernsthafte Gefährdung des Kindeswohls fest, ist sie verpflichtet, diese Beobachtungen nach den Regelungen des SGB VIII an das Jugendamt weiterzugeben. Nur das Jugendamt kann in akuten Fällen eine vorläufige Inobhutnahme veranlassen, und auch dann unterliegt diese Maßnahme strengen gesetzlichen Voraussetzungen sowie der Kontrolle durch das Familiengericht. Ziel bleibt stets der Schutz des Kindes und – wenn möglich – der Verbleib in der Familie mit geeigneter Unterstützung.

Clearing in der Jugendhilfe bezeichnet ein zeitlich begrenztes, strukturiertes sozialpädagogisches Verfahren zur Klärung der Situation eines Kindes, Jugendlichen oder einer Familie. Ziel ist es, den konkreten Hilfebedarf festzustellen, bestehende Probleme einzuordnen und geeignete Unterstützungsmaßnahmen zu identifizieren. Dabei werden familiäre, soziale, schulische und persönliche Faktoren betrachtet, um eine fundierte Grundlage für weitere Entscheidungen in der Hilfeplanung zu schaffen.

Im Rahmen des Clearings arbeiten Fachkräfte eng mit dem Kind oder Jugendlichen, den Eltern und gegebenenfalls weiteren beteiligten Fachkräften zusammen. Beobachtungen, Gespräche und pädagogische Einschätzungen fließen in eine Gesamtbewertung ein. Das Clearing dient nicht der Sanktion, sondern der Orientierung und soll dazu beitragen, passgenaue Hilfen zu finden, die die Entwicklung des Kindes stabilisieren und das familiäre Umfeld entlasten

Ein ambulantes Jugendamt-Clearing ist ein zeitlich begrenztes Klärungsverfahren, das im häuslichen Umfeld der Familie stattfindet. Ziel ist es, die aktuelle Lebenssituation eines Kindes oder Jugendlichen sowie die familiären Rahmenbedingungen systematisch zu erfassen und den konkreten Hilfebedarf zu klären. Anders als bei stationären Maßnahmen bleibt das Kind dabei in der Familie, während Fachkräfte Gespräche führen, den Alltag beobachten und relevante Faktoren wie Erziehung, Belastungen und Ressourcen einschätzen.

Das ambulante Clearing erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und dient als Entscheidungsgrundlage für weitere Hilfen zur Erziehung. Am Ende steht eine fachliche Empfehlung, ob und welche Unterstützung notwendig ist, etwa eine Familienhilfe, Beratung oder weiterführende Maßnahmen. Ziel ist es, frühzeitig passende Hilfen einzuleiten, um die Entwicklung des Kindes zu stabilisieren und die Familie gezielt zu entlasten.

Stationäres Clearing in der Jugendhilfe ist eine zeitlich befristete Maßnahme, bei der ein Kind oder Jugendlicher vorübergehend außerhalb des Elternhauses in einer spezialisierten Einrichtung untergebracht wird. Ziel ist es, die persönliche Situation, Entwicklung, Belastungen und den Unterstützungsbedarf umfassend zu klären, wenn eine Einschätzung im häuslichen Umfeld nicht ausreicht oder dort aktuell keine ausreichende Stabilität gegeben ist.

Während des stationären Clearings arbeiten pädagogische und therapeutische Fachkräfte eng mit dem Jugendamt, dem Kind oder Jugendlichen und den Eltern zusammen. Beobachtungen im Alltag, Gespräche und fachliche Einschätzungen fließen in eine Gesamtbewertung ein, auf deren Grundlage entschieden wird, welche weitere Hilfeform geeignet ist, etwa eine Rückkehr in die Familie mit Unterstützung, eine andere stationäre Hilfe oder eine längerfristige Betreuung. Ziel bleibt es, eine tragfähige und am Kindeswohl orientierte Perspektive zu entwickeln.

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2 Antworten

  1. Bei uns hat eine Familientherapie vom Jugendamt gestartet. Es hört sich beim Lesen an wie das „Clearing“, was sind die Unterschiede?
    Danke und liebe Grüße

    1. Beide Maßnahmen können vom Jugendamt (JA) initiiert werden, verfolgen aber unterschiedliche Ziele:
      Clearing = Diagnoseinstrument, häufig Sozialarbeiter oder Sozial-Pädagogen Mitarbeiter des JA. Das JA prüft die Familiensituation und den Hilfebedarf. Am Ende gibt es einen Bericht mit Empfehlungen; es geht um Beurteilung.
      Familientherapie = Hilfemaßnahme, idR Psychologen, Therapeuten keine Mitarbeiter des JA. Ziel ist aktive Unterstützung, Veränderung und bessere Kommunikation – meist mit Schweigepflicht, also ohne abschließende Beurteilung.
      Unser Tipp: genau beim JA nachfragen, was es ist, Schweigepflicht und ob es einen Bericht geben wird.

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Anna Maron

Hallo!

Mein Name ist Anna Maron. Ich war einmal selbst in einer Situation wie Sie, bevor mein Kind und ich durch Coaching den erfolgreichen Weg heraus fanden. Heute begleite ich bei UMGANG UND SORGERECHT Mütter in familienrechtlichen Auseinandersetzungen, im Umgang mit den involvierten Fachkräften, dem Vater sowie bei Gutachten.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schnell man in eine Situation geraten kann, die man zuvor für unmöglich gehalten hätte – und wie wenig gute Absichten allein helfen, wenn ein Konflikt eine Dynamik entwickelt, die man noch nicht versteht.

Weil mein Kind noch minderjährig ist, gibt es von mir hier nur ein Stellvertreterinnen-Foto.

Zu schön, um wahr zu sein

Am Anfang wirkte meine Beziehung fast zu gut, um wahr zu sein. Der Vater meines Kindes war charmant, romantisch und sehr entschieden, was unsere gemeinsame Zukunft betraf. Als erste Situationen auftauchten, die mich irritierten, suchte ich die Ursache zunächst bei mir. Ich erklärte sein Verhalten mit Stress, nahm Rücksicht und fragte mich immer häufiger, ob ich vielleicht zu empfindlich reagierte.

Mit der Zeit wurde aus einzelnen Grenzüberschreitungen ein Wechselspiel aus Nähe, Abwertung sowie psychischer und körperlicher Gewalt. Gleichzeitig war ich durch die Mitarbeit in seiner Firma finanziell von ihm abhängig geworden. Erst nach einem gewalttätigen Vorfall im Urlaub war für mich endgültig klar: Ich wollte diese Beziehung verlassen. 

Kurz darauf erfuhr ich, dass ich schwanger war.

Von diesem Moment an stand für mich eine andere Frage im Mittelpunkt: Was ist das Beste für unser Kind? Ich wollte glauben, dass wir es mit Vernunft und Verantwortungsgefühl zumindest schaffen könnten, gute getrennte Eltern zu sein. Rückblickend war das eine meiner ersten falschen Erwartungen. 

Nach der Geburt

Nach der Geburt war der Vater über längere Strecken kaum verlässlich präsent. Finanzielle Unsicherheit, ausbleibende Unterlagen und immer neue Verzögerungen blieben dagegen eine ständige Belastung. Trotzdem bot ich ihm regelmäßig Kontakt zu unserem Kind an.

Dann hörte ich etwa ein halbes Jahr nichts von ihm. Schließlich kam Post vom Familiengericht: Er beantragte das gemeinsame Sorgerecht und eine gerichtliche Umgangsregelung – und behauptete gleichzeitig, ich würde den Kontakt zwischen ihm und unserem Kind verhindern.

Ich war fassungslos. Vor allem wusste ich nicht, wie ich beweisen sollte, was tatsächlich geschehen war. Mein Wort stand gegen seines. 

Damit begann eine familienrechtliche Auseinandersetzung, die sich über 13 Jahre erstreckte: annähernd 30 Verfahren, welche zu 90% vom Vater initiiert waren, und insgesamt drei familienpsychologische Begutachtungen. Unser Kind erlebte begleitete und unbegleitete Umgänge, längere Unterbrechungen, immer neue Anträge und wiederholt eine Flut an Gesprächen mit unterschiedlichen Fachkräften.  Obwohl der Vater den Umgang nie regelmäßig wahrnahm und in jeglicher Hinsicht immer unzuverlässig blieb, übte er massiven Druck aus und drängte auf immer mehr Rechte. Mein Kind erlebte neben dem Druck zunehmend Grenzüberschreitungen, psychische und schließlich auch körperliche Gewalt beim Vater. Mit zunehmendem Alter lehnte es den Umgang aus eigenen Gründen immer deutlicher ab und verweigerte dem Umgang. Schließlich stellten das Familiengericht in 1. und 2. Instanz fest, dass sein Wille eigenständig war; der Umgang wurde ausgeschlossen. Bis dahin war es ein langer Weg.

Was ich gelernt habe

Zu Beginn glaubte ich, ich müsse Jugendamt, Gericht und Anwalt nur ehrlich und vollständig erklären, was geschehen war. Wenn alle Fakten bekannt wären, so meine Vorstellung, würde man schon erkennen, was für das Kind richtig ist.

So einfach ist es nicht.

Ich musste lernen, dass Wahrheit allein keine Strategie ist. Es kommt auch darauf an, was belegbar ist, welche Informationen im jeweiligen Zusammenhang relevant sind und wie Aussagen und Verhalten von den Beteiligten eingeordnet werden – also auf die Wahr-Nehmung der Situation durch die Verfahrensbeteiligten.

Durch professionelles Coaching lernte ich, mich gezielt auf Schriftsätze, Begutachtungen und Gerichtstermine vorzubereiten, Zusammenhänge besser zu erkennen und mich von neuen Vorwürfen oder überraschenden Wendungen nicht jedes Mal aus der Bahn werfen zu lassen. 

Ebenso wichtig war eine andere Veränderung: Ich hörte auf, meine Kraft darauf zu verwenden, das Verhalten des Vaters verstehen oder auf jede neue Aktion unmittelbar reagieren zu wollen. Stattdessen stellte ich mir immer häufiger eine andere Frage: Was kann ich jetzt konkret tun, damit der Schaden für mein Kind möglichst gering bleibt?

Ich wünschte, ich hätte mir die Unterstützung über das Coaching sehr viel früher geholt. Sie hätte nicht jedes Problem verhindert. Aber sie hätte mir geholfen, früher noch deutlich klarer, ruhiger und zielgerichteter zu handeln. Und hätte meinem Kind und mir damit sicherlich auch einige Umwege erspart.

Was ich heute weitergebe

Heute begleite ich betroffene Mütter im individuellen Coaching – vor, während und zwischen familienrechtlichen Verfahren sowie im Zusammenhang mit familienpsychologischen Begutachtungen. Dabei verbinde ich meine eigenen Erfahrungen aus vielen Jahren familienrechtlicher Auseinandersetzungen mit  psychologischen Fachkenntnissen die ich mitbringe – und dem strategischen Wissen, das ich mir selbst durch Coaching und intensive Auseinandersetzung mit diesen vielen Verfahren erarbeitet habe. 

Jeder Fall ist anders. Bestimmte Dynamiken, Fehler und falsche Erwartungen begegnen einem jedoch immer wieder. Und die Entwicklungen, welche wir Mütter nach solchen Trennungen und innerhalb der familienrechtlichen Verfahren durchlaufen, weisen Gemeinsamkeiten auf. Ich unterstütze Mütter dabei, ihre Situation früher klarer zu erfassen, Verfahrensdynamiken besser zu verstehen, sich bewusst und strategisch zu positionieren und trotz aller Belastungen den Blick darauf zu richten, was für ihr Kind und sie selbst tatsächlich hilfreich ist. Wo es sinnvoll ist, kann diese Begleitung auch mit dem juristischen Beistand abgestimmt werden. 

Mein wichtigster Rat an Sie ist: Holen Sie sich frühzeitig Unterstützung. Warten Sie nicht darauf, dass sich alles von selbst richtig einordnet und sich Ihre Situation gerichtlich zuspitzt. Gute Vorbereitung garantiert zwar nicht umgehend das gewünschte Ergebnis – aber sie macht einen entscheidenden Unterschied in den meist langwierigen Verfahren, in denen Sie für Ihre Anliegen häufig einen langen Atem und ein entsprechend strategisches Vorgehen brauchen, um ans Ziel zu kommen. Ich freue mich darauf, Sie dabei zu unterstützen!